Landesgalerie Eisenstadt
Freitag, 29. August 2008, 20 Uhr
Modest Mussorgski - Bilder einer Ausstellung
Daniel Mayer - Paraphrasen/Solo I
Manfred Leirer - Live Malerei
Florian Frühstück - Videokunst
Clara Frühstück - Klavier & Idee
Projektbeschreibung von Clara Frühstück
Als klassische Konzertpianistin bin ich immer wieder auf der Suche nach noch nie dagewesenen Ideen. Durch kreative Einfälle versuche ich ein breites Publikum für meine Konzerte zu interessieren. Ich finde nichts langweiliger als die "klassische Form" eines Klavierabends, nämlich Werke der großen Meister in einer chronologischen Reihenfolge aufzuführen.
In den letzten Jahre habe ich meine Konzertprogramme in diesem Sinne gestaltet. Ich verband die Werke der "großen Meister" mit zeitgenössischer Musik. Die Programme mögen gewagt aussehen, doch am Ende ist das Publikum zumeist davon angetan, wie gut "Altes und Neues" miteinander harmonieren kann. Das Publikum bleibt "wach" und wird ständig überrascht.
Zusätzlich habe ich auch daran gedacht, nicht nur die Ohren aufzuwecken, sondern auch einen weiteren Sinn zu befriedigen. Videoprojektionen von meinem Bruder Florian zu verschiedenen Werken sollten dazu beitragen, auch die Augen zu verwöhnen! Ich finde es spannend, immer wieder neue Medien in mein Arbeiten einfließen zu lassen.
So kam es zur Idee für das Projekt "Bilder einer Ausstellung - aus einer Stellung Bilder - raue Einstellungsbilder", bei dem Mussorgskis Werk in seine Teile zerlegt und mit neuem Tonmaterial angereichert wieder zu einem Ganzen zusammengefügt werden soll.
Modest Mussorgskis Werk in neuem Kontext
Als ich vor einem Jahr das Meisterwerk "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski einstudierte und es auch aufführte, ließ mich der Gedanke nicht los, auch dieses großartige Werk, das regelmäßig in Konzertsälen zu hören ist, in einen neuen Kontext zu setzen. Nach einer Aufführung der Bilder fragte ich den anwesenden Daniel Mayer, von dem ich schon Werke uraufgeführt hatte, ob er nicht Lust hätte, mit Mussorgskis Original zu spielen, sie zu "sezieren" und zu etwas Neuem zusammenzusetzen. Er war von dieser Idee gleich sehr angetan.
Letzes Jahr trat der Abteilungsleiter der Abteilung Klavier an der Kunstuni Graz, Herr Prof. Mag. Eugen Jakab, an mich heran und informierte mich, dass es seit Kurzem auch die Möglichkeit gibt, in der Studienrichtung "Konzertfach - Magisterstudium" statt einer wissenschaftlichen Diplomarbeit eine künstlerische Arbeit abzuliefern. Er dachte - aufgrund meiner regelmäßigen Zusammenarbeit mit Komponisten - an ein zeitgenössisches Werk, das ich im Rahmen eines Gesprächkonzerts (ur)aufführen könnte. Ich hatte zwar zu dieser Zeit bereits ein Thema für eine wissenschaftliche Arbeit, war aber dann von dieser neuen Idee so angetan, dass ich meine Pläne gleich änderte und nun dieses Projekt ebenfalls in Graz als mein Diplomarbeitsprojekt präsentieren möchte.
Stimmige Mischung zwischen Alt und Neu - Malerei / Videokunst
So begann ich letztes Semester meine Ideen zu konkretisieren. Ich dachte sofort an eine Verbindung von "Klassischem" und Zeitgenösischem - neue Musik im Kontrast mit alter, neue Medien mit "traditioneller" Malerei. Videobilder und Bilder zum "Angreifen".
Ende Oktober lud mich mein ehemaliger Lehrer Manfred Leirer ein, seine Vernissage im KUZ Mattersburg musikalisch zu umrahmen. Ich tat dies gerne, da ich ihn als Künstler und Lehrer sehr schätze. Nach der Eröffnung begann ich auch mit ihm über mein Projekt zu sprechen und fragte, ob er Lust hätte, neue Bilder zu Modest Mussorgskis Werk zu malen. Auch er zeigte sich interessiert und brachte den Vorschlag, live zu malen. Davon war ich sofort angetan und ich begann, seine Idee in das Konzept einzuarbeiten.
Eine Promenade mit 10 Bildern liegt im Raum. Zu jedem Bild soll ein neues Bild "zum Angreifen" entstehen. Zu dem neuen Werk von Daniel Mayer, wo er Elektronik und Klavier verbindet, soll ein neues Medium verwendet werden - Videokunst. So kommt nun die neue Form zustande. Während ich das Originalwerk von Mussorgski live spiele, soll Manfred Leirer malen und neue Bilder entstehen lassen. Mussorgskis "Bilder" sollen an drei Stellen unterbrochen werden, wo Daniel Mayer seine "neuen Bilder" einfügt. Diese neuen Bilder werden von Florian Frühstück durch Projektionen ergänzt. So soll eine stimmige Mischung zwischen "Alt und Neu" entstehen.
Clara Frühstück, www.clarafruehstueck.com
Bilder einer Ausstellung - Videoperformance
Die künstlerische Zusammenarbeit mit meinen Geschwistern Clara und Clemens besteht nun schon seit dem Jahr 1999. Als Clara im Herbst 2007 an mich mit dem Vorschlag herantrat, die Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgskij einer zeitgenössischen Version gegenüber zu stellen und dabei in einer Live-Performance sowohl Malerei sowie moderne Videokunst darzubieten, war ich sofort zu dieser interessanten und herausfordernden Zusammenarbeit bereit.
Wie für unsere bisherigen Konzerte plane ich auch diesmal wieder meine vorgefertigten (auf die Musik abgestimmten) Videosequenzen während der Performance zusammenzusetzen. Somit entsteht bei jedem Auftritt etwas Neues.
In meiner Videokunst konzentriere ich mich im Wesentlichen auf Details, die den meisten Menschen verborgen bleiben, da man sich nicht mehr die Zeit nimmt, genau hinzusehen. Ich möchte dem Publikum die unendlich große Schönheit des Kleinen näher bringen und dazu animieren, sich auch selbst wieder mit diesen "kleinen Dingen" zu beschäftigen.
Für das Projekt "Bilder einer Ausstellung" schwebt mir eine Umsetzung der verschiedenen Themen in alternierenden Farbräumen vor. Das grundlegende Element der Malerei - die Farbe - wird zu meinem zentralen Thema. Die Farbbedeutungen, wie auch die Farben selbst werden verschoben, um mitunter irrationale Bilder entstehen zu lassen. Bilder, die nicht aus unserer Welt zu sein scheinen und deren Herkunft doch jeder nachvollziehen kann.
Mit diesen Mitteln möchte ich den Betrachter während der Performance einen intensiveren Genuss des Gehörten und Gesehenen geben und ihn danach auf die Suche dieser "kleinen Dinge" schicken, die das Leben - ganz unbewusst - schöner machen.
Abschließend möchte ich noch eine schlagwortartige Zusammenfassung bereitstellen, die meine Grundgedanken bei der Planung der Videoperformance bzw. der einzelnen Videoclips darstellen.
Im Detail.
Die Musik gehört, aufgenommen, verinnerlicht. Reflektiert -
Durch Bilder. Bilder der Natur. Details. Miniaturen - maximiert.
Überdimensioniert. Ton und Bild - zwei Welten. Eine Einheit.
Reduktion.
Nur das Wesentliche. Monochrome Ansichten. Die Farbe reduziert.
Die einzelne Farbe jedoch im Mittelpunkt. Bedeutungen verfremdet. Verzerrt.
Dialog.
Nie ganz gleich. Enstanden und gesehen in der Gegenwart. Vergangen im Moment.
Geschaffen für den Augenblick. Als Re- und Inter-Aktion. Als Dialog.
Florian Frühstück, www.kafae.com
Werk für Soloklavier und Elektronik
Zusammenfassung
Auf Anregung der Pianistin Clara Frühstück soll eine Komposition dieser Besetzung entstehen, und, als Folge einzelner Stücke konzipiert, im Konzert mit Modest Mussorgskijs Werk Bilder einer Ausstellung verschränkt werden. Die Idee einer solchen Zusammenarbeit hat mich sofort angesprochen, da ich einerseits die Bilder schätze und als Ausgangspunkt für meine Arbeit heranziehen möchte, die Besetzung sich andererseits aber auch mit meinen kompositorischen Interessen trifft: für Stücke der Reihe Lokale Orbits erarbeitete ich zuletzt mit Interpreten Aufnahmen, die für elektronische Klangverarbeitung und die Produktion des Tonbandparts verwendet wurden (siehe 2b).
Arbeitsschwerpunkte, Vorprojekte
In den letzten Jahren beschäftigte ich mich mit algorithmischen Kompositionsverfahren im instrumentalen, elektronischen und "gemischten" Bereich. Mich fasziniert dabei die Wechselwirkung zwischen strukturellem Denken, experimenteller Simulation mit dem Computer und Rückkoppelung mit der Wirklichkeit, d.h. der letztlich ausschlaggebenden realen musikalischen Umsetzung.
a) Algorithmen in rein instrumentaler Musik In Zusammenarbeit mit dem Grazer Ensemble Zeitfluss entstanden zwei Werke für größeres Ensemble (Elliptische Variationen, Modulation und Echo) und Stücke für kammermusikalische Besetzungen, die, den Voraussetzungen ihrer Herstellung entsprechend, von polyphoner Kombinatorik geprägt sind. Mit Satztechniken, die experimentell entwickelten statistischen Gesetzmäßigkeiten folgen, versuchte ich, Strukturen zu erzeugen, die mit der tonalen Hörerfahrung spielen, diese Elemente aber gleichzeitig auf irritierende Art rekombinieren.
Ein weiterer Aspekt des Experimentierens mit Computersimulationen ist die Berücksichtigung mikrotonaler Möglichkeiten, die ich bis jetzt öfter im elektronischen Bereich verwendete, nicht zuletzt aufgrund der praktischen Probleme der exakten Umsetzbarkeit. Hier kann die Simulation die harmonische Wirkung von Stimmungsabweichungen zumindest andeuten und zur Entscheidungsfindung beitragen - dabei lassen sich Gegebenheiten wie z.B. Verstimmungen eines Instruments als Rahmenbedingungen programmtechnisch formulieren (E-Es für vierteltönig tiefer gestimmtes Altsaxophon und Klavier).
b) Algorithmen in elektronischer und elektronisch - instrumentaler Musik "Klangerforschung" beschäftigte mich bis jetzt eher im Feld der rein elektronischen Musik und in gemischten Werken. In der Klangsynthesesprache SuperCollider sind Synthesealgorithmen und deren algorithmische Steuerung (d.h. algorithmische Steuerungen auf einer höheren musikalisch "fasslicheren" Ebene) in schier unüberschaubarer Vielfalt definierbar. Ich habe mich in letzter Zeit auf Verfahren beschränkt, die mit aufgenommenem Material operieren, u.a. Buffergranulation. In der Reihe Lokale Orbits für Instrument(e) und Tonband werden Instrumentalklänge mit ihren elektronischen Verarbeitungen konfrontiert. Bisher entstanden Solo 1 (Clemens Frühstück) und Solo 2 (Uli Fussenegger), die 2007 im Grazer Minoritensaal bei Konzerten des Vereins die andere saite aufgeführt wurden.
Links
Technische Erläuterungen zur Komposition mit Algorithmen finden sich in der Publikation Strukturgeneratoren in elektronischer und instrumentaler Komposition, IEM-Report 33/06 - www.iem.at/projekte/publications/iem_report/report33_06 - einige Gedanken zu ästhetischen Fragen im beiliegenden Essay Algorithmus, Wahrnehmung, Erinnerung.
Daniel Mayer
Manfred Leirer in Action

Manfred Leirer
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www.clarafruehstueck.com | bildereinerausstellung.clarafruehstueck.com
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